Die Region Olten vor hundert Jahren   

Vortrag im Historischen Museum am 17. September 2015

Der aus Welschenrohr stammende Theologe und Historiker Urban Fink sprach über die Verhältnisse in der Region Olten vor hundert Jahren

Er legte ein eindrückliches Material an Bildern, Karten, Tabellen und Textquellen vor. Danach war die Region Olten zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine Boomregion. Die Bevölkerung entwickelte sich stark und die Region wies viele grosse Industriebetriebe auf. Die Löhne und die Arbeitsverhältnisse waren aber schlecht, sodass für den Kanton Solothurn die zweithöchste Zahl von Streiks (nach dem Kanton Tessin) verzeichnet wurde. Besonders schlecht gestellt waren die Arbeiter in der Oltner Motorwagenfabrik Berna, obwohl deren Geschäfte gut liefen. Besonders während des Ersten Weltkrieges gab es auch in Olten Hunger. Denn erst spät reagierte der  Bund auf die schlechte Lebensmittelversorgung mit der Lebensmittelrationierung.

Militärisch wurde die Stadt Olten nach Beginn des Ersten Weltkrieges zu einem Schwerpunkt der militärischen Landesverteidigung. Das Kernstück bestand aus der Fortifikation Hauenstein, die in einem Bogen von Obergösgen über die Jurahöhen ins Baselbiet ausgriff und bei Kappel endete. Damit wollte man einem Angriff sowohl von Frankreich als auch seines Feindes Deutschland entgegentreten. Die Region musste Zehntausende von Soldaten und Pferden beherbergen. Die hygienischen Verhältnisse waren – da noch kaum ein Wasserleitungen und Kanalisationen bestanden –  schlecht. Besonders schlimm muss es im Bifangschulhaus gewesen sein, das als militärisches Krankenhaus (»Etappensanitätsanstalt») diente. Die Fortifikation Hauenstein wurde  – da sie offensichtlich der Armeeführung nicht genügte – mehrfach ausgebaut. Im Jahre 1917 wurden die Arbeiten jedoch resigniert abgebrochen: Nach Meinung der Armeeleitung hätten die Werke einem feindlichen Angriff nicht standgehalten – der militärische Alleingang war also schon damals ad acta gelegt! Noch ein Detail dazu: Aus den Schützengräben hätte man nicht sofort schiessen können, da es – trotz einer militärfreundlichen politischen Mehrheit – nicht erlaubt wurde, die Wälder umzulegen, um Wirkungsräume für die neu eingeführten Maschinengewehre zu schaffen!

Die Schweiz – und die Region Olten – habe wirtschaftlich schwer unter dem damals «Grossen Krieg» genannten Ereignis gelitten, obwohl sie selber nicht in militärische Kämpfe verwickelt war. Dabei habe noch im Jahre 1913 weltweit die Meinung vorgeherrscht, es werde keine Kriege mehr geben und der wirtschaftliche und technische Fortschritt lenke die Menschheit in eine Epoche des Friedens und des Wohlstandes – symbolisiert etwa durch den aus der Region (Langenbruck BL) stammenden Oskar Bider, der als erster Mensch 1913 im Januar über die Pyrenäen und im Juli auch über die Alpen flog. Die «spanische Grippe» im Winter 1918/1919 dezimierte die durch schlechte Ernährung geschwächte Bevölkerung auch in unserer Region. Hingegen kam die Stadt Olten beim Generalstreik 1918 fast nur durch das hier tagende «Oltner Komitee» der Streikführer in die Schlagzeilen. Die Ermahnungen der seit 1917 dreifarbigen (gelb-schwarz-rot) Solothurner Regierung an einige industrielle Krisenherde war offenbar erfolgreich.