Ein Patriarch aus Syrien besucht Olten!   

Patriarch Gregorios III. Laham weilte am 29./30. Oktober 2016 in Olten

Das kirchliche Hilfwerk Kirche in Not fragte im Frühling 2016 den KPO an, ob unsere Oltner Pfarreien bereit wären, einen Patriarchen aus Syrien zu empfangen. Kirche in Not unterstützt die Katholische Kirche weltweit; mehrfach pro Jahr kommen unterstützte Bischöfe oder Priester in die Schweiz, um in Pfarreien über ihre Arbeit zu berichten und um weitere Unterstützungen zu erbitten.

Patriarch Gregorios III. Laham, Vorsteher (Patriarch) der mit Rom verbundenen melkitisch-griechisch-katholischen Kirche (ein langer Name!) befinde sich Ende Oktober 2016 auf der Durchreise nach Lund (Schweden). Dort soll die römisch-katholischen Kirche – mit Papst Franziskus an der Spitze – mit dem Lutheranischen Weltbund das Gedenkjahr zur Reformation vor 500 Jahren gemeinsam – in ökumenischem Geist – beginnen. Es brauchte einige Vorbereitungen, bis es soweit war:

 

 Der Patriarch kam am Freitag, 28.10.2016 in der Schweiz an, wo er einige Interviews gab. Der Patriarch äusserte seine grosse Sorge um sein Land. Wir alle hatten die schrecklichen Nachrichten aus Syrien im Kopf, die uns seit fünf Jahren erreichen. Vor diesem Krieg ging es den Christen in Syrien gut; dies treffe auf die von der Regierung kontrollierten Regionen unverändert zu.

Der Patriarch war in der heiligen Messe am Samstag Abend und am Sonntag Morgen Konzelebrant.

 In der melkitisch-griechisch-katholischen Kirche wird die Messe im Ritus der griechisch-orthodoxen Kirche gelesen und zwar in der Muttersprache. Der Patriarch las das Evangelium, das er aber – gemäss  seiner Tradition - sang! Eine nicht leichte Aufgabe: Das Evangelium in einer fremden Sprache improvisiert zu singen, wobei die wichtigen Worte gesanglich hervorgehoben werden.

 In seiner Predigt berichtete der Patriarch vom Christentum in seiner Heimat:

In orthodoxen Kirchen seien die Kirchen voll mit Kreuzen: Christus und sein Leiden – und unsere Nachfolge in Christo – müssten im Zentrum der christlichen Botschaft stehen. Christus habe zwar in Palästina, in Israel, gelebt. Das Christentum habe sich aber in Syrien in den zahlreichen jüdischen Gemeinden entwickelt. Darum hielt sich auch der Apostel Paulus in Damaskus auf. Schon zwei drei Jahre nach dem Tod Christi am Kreuz seien in Syrien Gemeinden von Christen entstanden – und die sich bis heute erhalten haben! Bemerkenswert sei vor allem, dass diese Christengemeinden durch mündliche Zeugen und Zeugnisse sich bildeten – es gab noch keine paulinischen Briefe und schon gar kein Evangelium! Der Patriarch erwähnte eine Ortschaft namens Dareia, aus der seine Mutter stamme und die von Paulus selber gegründet worden sei.

 Die christlichen Gemeinden, müssten in Syrien und im Nahen Osten überhaupt, so der Patriarch, erhalten bleiben. Die christliche Bevölkerung dürfe darum das Land nicht verlassen! Nur so bekämen seine muslimischen Landsleute Verständnis dafür, dass Europa keineswegs gottlos lebe und bekehrt werden müsse. Dem Patriarchen sind viele Dörfer in seinem Gebiet bekannt, wo Muslime und Christen friedlich nebeneinanderlebten und manchmals sogar gegenseitig für sich sorgten. So können es vorkommen, dass Muslime  sich für ein christliches Begräbnis für Christinnen und Christen einsetzten, die isoliert in muslimisch geprägten Dörfern lebten.

Papst Franziskus pflege von «mia Syria amata» zu sprechen und verlange von der von ihm geleiteten Kirche zweierlei: Erstens die christliche und katholische Identität klar zu zeigen und zweitens für die Menschen (unterschiedslos) dazusein.

Die Identität der melkitisch-griechisch-katholischen Kirche umriss der Patriarch mit drei Gegensätzen: Seine Gläubigen seien Araber – aber nicht Muslime. Sie seien Orthodoxe, aber nicht griechische Orthodoxe. Schliesslich seien sie zwar mit dem Papst verbunden, aber nicht mit der lateinischen Tradition.

 In Syrien fehle, so der Patriarch, eine Persönlichkeit oder Gruppierung, die das Land versöhnen und einen könne. Es war darum mehr als nur Symbolik, dass Christoph Fink als Präsident des Katholischen Pressevereins Olten dem Patriarchen unter anderem ein Buch über Bruder Klaus schenkte – auch unser Land brauchte (mehrfach schon) einen Friedensstifter!

 Hoch geschätzt wurden auch die klugen Grussworte von Stadtpräsident Dr. Martin Wey und von Regierungsrat Dr. Remo Ankli. Dr. Martin Wey wies etwa darauf hin, dass die Pfarrei St. Martin viele Jahre (mit Pater Hanspeter Betschart) ein Heim für Behinderte in der Bekaa-Ebene im Libanon unterstützt hat. Und der Solothurner Bildungsdirektor hob die Wichtigkeit hervor, in der Volksschule Toleranz und Respekt zu lehren.