Niklaus von Flüe – genannt Bruder Klaus   

Vortrag vom 27. September 2017 in St. Marien Olten vor rund dreissig Personen

Der Theologe und Historiker Urban  Fink  aus Oberdorf SO  sprach in Olten über Niklaus von Flüe,  genannt Bruder Klaus aus Anlass seiner Geburt vor sechshundert  Jahren.  Bruder Klaus werde auch heute als  »erratische» Persönlichkeit empfunden, wobei  sein Fasten und die Trennung von seiner Familie befremdend wirkten.  Bruder Klaus suchte die mystische Einheit in Gott, wie man sich das nicht radikaler vorstellen könne. Obwohl Analphabet  erlangte er ein umfassendes Verständnis der christlichen Botschaft. 

Fassbar sei Bruder Klaus durch sein Meditationsbild, das er offenbar selber ausdachte und mit dem er seinen Glauben  zusammenfasste: Alles gehe von Gott aus und kehre wieder zu ihm zurück. In einem Dankesbrief an den Rat der Burger von Bern, formulierte Bruder Klaus fast beiläufig aus dem christlichen Glauben hergeleitete Grundsätze:  Aufeinander hören,  Schwache in Schutz nehmen,  für Gerechtigkeit einstehen, dankbar sein für Erfolg, Friede sei allweg in Gott etc. In einem andern Brief riet Niklaus von Flüe, die gütliche Einigung einem Gang vor den Richter vorzuziehen.  Sein: «Machet den Zun nit zuo wit» richtete sich an gierige Landsleute, die  zunehmend das Ackerland der Allmenden in privates Weideland umwandelten.  Im Jahre 1481 gelang es Bruder Klaus durch einen nicht näher bekannten Rat, einen ernsthaften Konflikt zwischen Stadt- und Länderorten der Eidgenossenschaft beizulegen. Das daraus hervorgegangene «Stanser Verkommnis» war die Grundlage der dreizehnörtigen Eidgenossenschaft bis zu ihrem Untergang 1798.

Bruder Klaus wird bis heute als  Ratgeber und Friedensstifter aufgesucht und verehrt. Durch die beiden Weltkriege, welche die Schweiz unbeschadet überstand, wurde Bruder Klaus auch die zivilreligiöse Rolle eines über den Konfessionen stehenden Landesvaters zugedacht.