Chronik 2011   

Die Christen, insbesondere die Katholiken, werden wieder zunehmend in vielen Ländern der Welt diskriminiert oder mit Gewalt bekämpft!  Das beklagt Papst Benedikt in seiner Botschaft zum 1. Januar 2011, dem Weltfriedenstag der Kirche. Besondere üble Nachrichten kommen aus dem Irak, wo  Ende Oktober ein Überfall auf eine syrisch-katholische Kirche verübt wurde und über sechzig Todesopfer forderte. In China versucht die Regierung, die Arbeit der katholischen Kirche nur unter ihrer Aufsicht zuzulassen.

Im Westen besteht hingegen die Tendenz, Geschichte und religiöse Symbole, welche zur Identität der Mehrheit der Bürger gehören, zu verleugnen. Dabei bestehe die Gefahr, dass die jungen Menschen nicht mehr mit dem wertvollen geistigen Erbe in Kontakt kämen. Sich seiner Identität bewusst zu sein, bedeute keineswegs eine Diskriminierung Andersgläubiger, so der Papst. Auch der ethische Beitrag der Religion für die Politik dürfe nicht marginalisiert werden. Religiöser und antireligiöser Fanatismus oder Fundamentalismus könnten jedoch nie gerechtfertigt werden. Solche Handlungen verstiessen gegen Menschenrechte.

Ende März 2011: Kruzifixe in Schulen sind zulässig!

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat ein Urteil der Grossen Kammer des gleichen Gerichts korrigiert oder aufgehoben. Danach ist es weiterhin gestattet, dass in Italien Kruzifixe in den Schulzimmern hängen dürfen. Ein Kreuz sei ein passives Symbol und sei nicht ein Zeichen der Intoleranz gegenüber Andersgläubigen; es sei auch kein Zeichen der Indoktrination.

Auch der Vatikan begrüsste das Urteil. In einem christlichen Land bringe ein Kruzifix  einen Teil der nationalen Identität zum Ausdruck. Menschenrechte könnten nicht in Gegensatz zu den religiösen Fundamenten der europäischen Kultur, zu welchen das Christentum einen wesentlichen Beitrag geleistet habe, gebracht werden (Vatikansprecher Federico Lombardi).

Das Urteil habe auch Folgen für die Schweiz sagte der ehemalige Präsident des Schweizerischen Bundesgerichts, Giusep Nay. Mit der gleichen Argumentation sei das Schweizer Minarettverbot nicht mehr haltbar. Auch müssten damit Kopftücher für Schülerinnen zulässig sein.

April 2011: Der Bischof von Basel fordert den Pfarrer von Kappel zum Rücktritt auf

Seit Sommer 2009 hat die kleine Pfarrei St. Barbara von Kappel bei Olten einen jungen und beliebten Priester, der aus Nigeria stammt. Er soll ein intimes Verhältnis mit der Pfarreisekretärin unterhalten haben. Die Geschichte viele Gemüter.

Der Geistliche hat jedoch seine Demission eingereicht, wie dies Bischof Felix Gmür von ihm verlangt hat.

Definitiv ist es aber keine «Gute Nachricht» – sie hat aber eine gute Fortsetzung: Anfang Juni konnte die Pfarrei St. Barbara einen neuen Geistlichen empfangen, Andreas Gschwind. Der sympathische Mann wird es wohl fertigbringen, die Wogen zu glätten.

April – Juni 2011: Cantars

Während zwei Monaten haben die Kirchenchöre des Bistums Basels über 200 Konzerte an 18 verschiedenen Orten gegeben. Die Aufführungen waren alle von grosser Qualität und zeigten eindrücklich die Vitalität unserer Kirchenmusiker. Die Konzerte fanden auch eine grosse Zuhörerschaft, zu der auch Bundesrätin Simonetta Sommaruga oder Nationalrätin Pascale Bruderer gehörten. Ein solches Klangerlebnis hat es in der Schweiz noch nie gegeben.

Juni 2011: Das Fastenopfer ist 50 Jahre alt

Das Fastenopfer hat in seinen fünfzig Jahren einen weiten Weg zurückgelegt. Es gehört mit der Caritas zu den grössten Hilfswerken der Schweizer Katholiken. Das Fastenopfer hat seine Hilfsprojekte weitgehend in die Entwicklungsländer verlagert. Das Verständnis und das Verhältnis der entwickelten Länder zu den unterentwickelten hat sich in diesem halben Jahrhundert deutlich verändert. In der Schweiz gerät das Fastenopfer regelmässig in Kritik, weil seine Botschaften zwangsläufig auch eine politische Aussagekraft haben, die nicht allen gefallen (Stichworte: Ausbeutung von Arbeitern, die unter schlechten Bedingungen arbeiten, von denen grosse Konzerne oder auch wir als Konsumenten profitieren; oder ungerechte Verteilung von Land und Bodenschätzen).

Aus christlicher Sicht ist zudem die Gabe eines «Opfers» zugunsten von Armen und Benachteiligten ein wesentlicher Bestandteil für ein glaubwürdiges Leben als Christ. Ein Opfer soll etwas weh tun, wie der Stiftungsratspräsident des Fastenopfers, Bischof Markus Büchel, aus Anlass der Jubiläums sagt. Ein Opfer sei mit einem Verzicht verbunden, so der Bischof weiter.  Die Entwicklung der Spendengelder zeigt, dass hier nicht mehr alle folgen mögen; insbesondere nimmt auch die Zahl der aktiven und spendebereiten Gläubigen ab.

1. August 2011

Der Einsiedler Abt Martin Werlen hat in einer Ansprache zum 1. August davor gewarnt, Mitmenschen zu verachten. Abt Werlen zeigt sich besorgt, dass gewisse Kreise (die er nicht namentlich bezeichnete) Leute aus andern Kulturen oder Religionen ausgrenzen oder schlecht machen möchten. Abt Werlen präzisierte noch, mit einer solchen Haltung könne man unmöglich den Anspruch erheben, das christliche Abendland verteidigen zu wollen. Wer andere verachte, verachte letztlich Christus.  

11. September 2011  

Die Pfarrei St. Marien Olten feiert das 400-jährige Bestehen der Ecce-Homo-Kapelle in Olten. Die Kapelle musste 1959 wegen des Strassenbaus abgerissen und neu gebaut werden. Am 3. Juli 1960 wurde sie vom damaligen Diözesanbischof Franziskus von Streng neu geweiht. Der Oltner Künstler Christof Schelber hat zu diesem Anlass ein Glasfenster geschaffen, das Bezug zum lichtreichen Rosenkranz nimmt. Dieser Rosenkranz ist von Papst Johannes Paul II. im Jahre 2000 eingeführt worden.

22. – 25. September 2011  

Papst Benedikt XVI hat Deutschland, seinem Heimatland, einen Besuch abgestattet. Der betagte Papst hat dabei ein dichtes Programm von Reden, Begegnungen und Messen absolviert. Zu Beginn hielt er eine Rede vor dem Bundestag. Er sprach über die Grundlagen des Rechts.
An den folgenden Tagen traf sich der Papst mit den Verantwortlichen der Evangelischen Kirche in Deutschland und Vertretern des Judentums. Weiter besuchte er einen Wallfahrtsort in der ehemaligen DDR.

Bei seiner abschliessenden Messe in Freiburg im Breisgau waren sicher auch viele Schweizer Katholiken dabei. Der Papst wies hier darauf hin, dass Agnostiker (Ungläubige) oftmals mehr von der Frage nach Gott umgetrieben seien und ihm möglicherweise näher ständen als «kirchliche Routiniers». Der Papst mahnte, die Christen müssten stets neu Mass an Christus nehmen und sich – wie Paulus schon sagte – sich um Einheit in Christus bemühen.