Maria Bernarda Bütler   

Eine Heilige aus dem Bistum

Am 12. Oktober ist im Petersdom in Rom Maria Bernarda Bütler heilig gesprochen worden. Die 1848 geborene Frau stammt aus dem Kanton Aargau und damit aus dem Bistum Basel. Sie hat als Ordensfrau vor allem in Südamerika (Cartagena, Kolumbien) gewirkt; darum ist sie in ihrer Heimat nicht sehr bekannt. Papst Benedikt XVI. nannte die neue Heilige «stark, klug und mystisch» und eine «spirituelle Meisterin und hervorragende Missionarin». Maria Bernarda Bütler ist die erste Schweizerin, die zur Ehre der Altäre erhoben worden ist.

Eine Woche später, am 19. Oktober 2008, hat ihre Heimatgemeinde Auw ihre nun berühmteste Person gefeiert. Dem Festgottesdienst stand der Diözesanbischof Kurt Koch vor. Eine grosse Zahl von Gläubigen und viele staatliche Verantwortungsträger fanden sich ein. Bundesrätin Doris Leuthard, die aus einem Nachbardorf stammt, nannte die neue Heilige ein Vorbild: Nicht Politiker, die in Glanz und Gloria gelebt hätten, überdauerten die Jahrhunderte, sondern Leute, die in Bescheidenheit und in Solidarität mit den Armen gelebt hätten.

Die Bundesrätin rief dazu auf, mit jenen solidarisch zu sein, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen und Werte zu vermitteln, die Bestand haben. Wirklich reich sei, wer den Wert des andern zu schätzen wisse, bevor er aus dem Wert des andern schöpfe. Die Magistratin rief die Frauen auf, sich in Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu engagieren.

 

Vortrag über Maria Bernarda Bütler am 22. September 2009

Leben und Wirken einer Schweizer Heiligen dargestellt  

Am 12. Oktober 2008 wurde im  Petersdom in Rom die Schweizer Nonne Maria Bernarda Bütler heilig gesprochen. Sie hat ebenso wirkungsvoll wie unauffällig im Dienste des Evangeliums für die Armen in Südamerika gewirkt. Die Theologin Sibylle Hardegger zeigte in einem Vortrag in Olten ihre Spuren auf.

1848 wurde im aargauischen Freiamt in eine kinderreiche Bauernfamilie Verena Bütler geboren. Gegenüber dem Schweizerischen Bundesstaat, welcher im gleichen Jahr entstand, befanden sich  die damaligen Schweizer Katholiken in einer Abwehrstellung; trotz vieler Schwierigkeiten brachten sie aber  zahlreiche geistliche Berufungen und erstaunliche Initiativen hervor. Auch Verena Bütler spürte den Anruf Gottes und trat – mit 19 Jahren -  ins Kloster in Altstätten SG ein. Wenige Jahre nach ihren «Ewigen Gelübden» war sie Vorsteherin des Klosters und bald beherbergte die bei ihrem Eintritt überalterte Gemeinschaft der Franziskanerinnen mehr Nonnen als der Kanton St Gallen erlaubte. So entschied sie sich als Vierzigjährige mit einigen jungen Mitschwestern nach Ecuador aufzubrechen, um dort ein neues Kloster zu gründen. Ein deutschsprachiger Bischof hatte um Hilfe gebeten;es galt Kinder zu unterrichten, Kranke zu pflegen und kirchliche Dienste zu leisten. Nach sieben Jahren mussten die Ordensfrauen  wegen eines Bürgerkriegs das Land verlassen. So fingen sie in Kolumbien – wiederum unter der Leitung des Ortsbischofs – nochmals bei null an. Maria Bernardas Gemeinschaft übernahm fast jährlich neue Aufgaben, die sie nur dank vielen Ordenseintritten erfüllen konnte. Im Jahre 1911 wurde eine erste Niederlassung in Brasilien eröffnet. Bis heute leisten Maria Bernardas Nachfolgerinnen viele Dienste in Südamerika sowie in einigen Ländern Afrikas und Europas.  

Neben ihrer eindrücklichen «unternehmerischen» Leistung, die ihr schon zeitlebens eine hohe Verehrung in Kolumbien eingetragen hat, bleibt Maria Bernarda als Person schwer fassbar. Die wenigen von ihr vorhandenen Portraitaufnahmen zeigen sie als ernst blickende Frau in strenger Ordenstracht. Sie hinterliess auch viele Briefe und Tagebücher, aus denen aber kaum griffige Zitate herauszudestillieren sind. Am bekanntesten ist ihre Aussage: «Das Evangelium ist mein Leitstern». 

Die Referentin Sibylle Hardegger war anlässlich der Heiligsprechung als Vertreterin des Bistums Basel an den Feiern in Rom, Auw AG und Cartagena (Kolumbien) zugegen. Bei der Feier in Maria Bernardas Geburtsort Auw würdigte für die offizielle Schweiz Bundesrätin Doris Leuthard, welche aus einem Nachbardorf stammt, Maria Bernarda Bütler für «ihre Bescheidenheit, gelebte Solidarität und ihren Mut, aus gewohnten Mustern auszubrechen». Die neue Heilige zeige, mit welcher Leidenschaft Frauen in der Kirche wirken können, fasste Sibylle Hardegger ihren Vortrag zusammen, zu dem der Katholische Presseverein Olten eingeladen hatte. cfh